Sonntag, 23. April 2017

[Rezension] Good as Gone: Ein Mädchen verschwindet. Eine Fremde kehrt zurück von Amy Gentry


Buch 12,99€ / eBook 9,99€


Klappentext

Tom und Anna haben das Schlimmste erlebt, was sich Eltern vorstellen können: Ihre 13-jährige Tochter Julie wurde entführt, alle Suchaktionen waren vergebens, die Polizei hat den Fall längst zu den Akten gelegt. Acht Jahre später taucht plötzlich eine junge Frau auf und behauptet, die vermisste Tochter zu sein. Die Familie kann ihr Glück kaum fassen. Doch schon bald spüren alle, dass die Geschichte der Verschwundenen nicht aufgeht. Anna hegt einen furchtbaren Verdacht. Sie macht sich auf die Suche nach der Wahrheit über die junge Frau, von der sie inständig hofft, dass es ihre Tochter ist, die ihr gleichzeitig aber auch fremd erscheint und das gesamte Familiengefüge gefährlich ins Wanken bringt...




Meine Meinung

Nachdem Julie plötzlich nach 8 Jahren vor der Tür ihres Elternhauses steht, baut das Buch anfangs eine gute Spannung auf, die auf jeden Fall dafür gesorgt hat, dass ich es mir direkt bequemer auf der Couch gemacht habe. Voller Vorfreude auf spannende Lesestunden. Und das klappte auch wirklich gut bis zur Mitte. Ich wollte unbedingt wissen, was vor 8 Jahren passiert ist und was die ganzen Namen, die innerhalb des ersten Drittels im Buch vorkommen, mit dieser Geschichte zu tun haben. In anderen Lesermeinungen wurde dieser Teil als besonders anstrengend oder langweilig empfunden; mir haben diese Rückblenden sehr gut gefallen und ich finde, dass es der Autorin hier gut gelungen ist, zu konstruieren. Außerdem wurden Gefühle der einzelnen Protagonisten authentisch dargestellt, sodass ich es als Leserin nicht schwer hatte, diese Gefühle nachzuempfinden. Allein die Idee hinter der Story ist ja nicht weit hergeholt. Wie oft hören wir in den Medien davon, dass sich gerade junge Menschen einem Glauben oder Menschen verschreiben, der dafür sorgt, dass sie selbst nicht mehr nachdenken, sondern scheinbar manipuliert nicht nachvollziehbare Dinge tun. Weil sie denken, dass Gott dies von ihnen erwartet. Weil das Opfer denkt, dass der Täter sich auch den Rest der Familie vornimmt. Weil sie auf der Suche nach Antworten sind oder weil ihre Suche, Verzweiflung und Unsicherheit ausgenutzt wird. So auch Julie in „Good as gone“. Die Frage nach Gott und die verzweifelte Suche nach Anerkennung durch die cooleren Kids ihrer Schule, sorgen dafür, dass ein naives 13-jähriges Mädchen an den falschen Menschen gerät.

Julies Erlebnisse, Gretchens Erlebnisse  und all die der anderen Mädchen haben mir beim Lesen häufig den Atem stocken lassen. Durch einen sehr beschreibenden Schreibstil gelingt es der Autorin gut, sich in den einzelnen Geschehnissen einzufinden. An einigen Stellen schonungslos, an anderen Stellen unnötig ausufernd.

Mit den Personen im Buch habe ich mich schnell abfinden können, fand aber nur Julies Schwester Jane wirklich sympathisch und hatte Mitleid mit ihr, dass sie durch Julies Entführung eine schwierige Beziehung vor allem zu ihrer Mutter hat. Ihre Mutter Anna hätte ich an vielen Stellen des Buches gerne geschüttelt und fand sie als eine der Hauptprotagonisten und Erzählenden neben Julie eher anstrengend, was daran liegt, dass Anna sich ihrer Fehler absolut bewusst war und doch nichts änderte. 



Die Auflösung nahe dem Ende finde ich absolut realistisch und bin doch erschrocken, was traumatische Erlebnisse mit einem Menschen machen können.  Allerdings hätte für mich da auch das Buch enden können, da ich die letzten Seiten eher überflüssig fand.


Fazit

Insgesamt hat mir das Buch durch gute Konstruktion, abwechselnde Erzählperspektiven, Zeitsprünge und einem angenehmen Schreibstil gut gefallen, allerdings hat der sehr stark aufkommende religiöse Fanatismus auch an meinem Nervenköstum genagt, sodass Buch und ich nur eine hassliebende Beziehung zueinander aufbauen konnten.


~ Vielen Dank an die Verlagsgruppe Random House Bertelsmann, dass Sie mir "Good as Gone: Ein Mädchen verschwindet. Eine Fremde kehrt zurück" von Amy Gentry als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben ~

Dienstag, 4. April 2017

[Rezension] AchtNacht von Sebastian Fitzek


Buch 12,99€ / eBook 8,99€

Klappentext 

Es ist der 8. 8., acht Uhr acht. 
Sie haben 80 Millionen Feinde.
Werden Sie die AchtNacht überleben?

Stellen Sie sich vor, es gibt eine Todeslotterie.
Sie können den Namen eines verhassten Menschen in einen Lostopf werfen.
In der „AchtNacht“, am 8. 8. jedes Jahres, wird aus allen Vorschlägen ein Name gezogen.
Der Auserwählte ist eine AchtNacht lang geächtet, vogelfrei.
Jeder in Deutschland darf ihn straffrei töten - und wird mit einem Kopfgeld von zehn Millionen Euro belohnt.

Das ist kein Gedankenspiel. Sondern bitterer Ernst.
Es ist ein massenpsychologisches Experiment, das aus dem Ruder lief.
Und Ihr Name wurde gezogen!

Meine Meinung 

Ich musste nach dem Lesen erstmal meine Gedanken sortieren. In mich gehen und mich fragen, was ich von dem Buch halte. Von der Idee, die natürlich schon durch den Film "The Purge" gelebt hat, hier in "AchtNacht" aber noch mal anders irgendwie persönlicher umgesetzt wurde. Ein Buch, dass mich nicht nur an "The Purge" erinnert, sondern auch an das Buch und den Film "Nerve". 
Ist "AchtNacht" deshalb langweilig? Nein. Ganz und gar nicht. Jedenfalls nicht für mich. 
Ich wollte ab Seite 1 wissen, wieso Ben einer der AchtNächter wurde, wieso Jule ihn warnen wollte und wer zum Henker OZ war. Ich wollte dass die AchtNacht aufhört. Aber nicht, weil ich das Buch vorzeitig abbreche, sondern weil die Kapitelüberschrift mir verrät, dass sie vorbei ist. Von Kapitel zu Kapitel habe ich mit Beklemmung die Zeitangabe gelesen, durchgeatmet und weiter gelesen. Waren die Beklemmungen schlecht? Nein! "AchtNacht" hat mich sehr gut unterhalten und genau das habe ich gehofft. Es ist so "The Purge" und "Nerve"-mäßig und doch ganz anders. Nicht besser. Nicht schlechter. Anders. 
Ben war mir zwar eher unsympathisch als Hauptprotagonist, was vor allem daran lag, dass er für meinen Geschmack sich zu schnell mit seiner Teilnahme als AchtNächter abgefunden hat, schnell hat er sich seinem Schicksal gebeugt, zu viel mit sich machen lassen. Arezu war mir dafür umso sympathischer. Ich mochte sie, konnte ihre Ängste nachempfinden, hatte Mitleid mit ihr. Die Auflösung am Ende: absolut passend im Hinblick auf ihre Gesamtverfassung. 

Abgesehen von der Idee und Umsetzung hat mir der Schreibstil sehr gut gefallen. Wie auch die Geschehnisse im Buch, lässt der Stil es zu, das der Leser mit hohem Tempo durchs Buch kommt.
Außerdem fand ich den Perspektivwechsel unterhaltsam und spannend. Hat man gerade noch mit Ben oder Arezu mitgefiebert, kann der Leser auch aus der Sicht von Dash und Niko den Geschehnissen weiter folgen und Zusatzinformationen bekommen. 

Die Geschichte um Bens Tochter Jule hat mich tatsächlich kurzzeitig in die Irre geführt. Mal sehen, ob euch auch das Gefühl beschleicht, dass etwas mit ihr nicht so ist, wie es sein sollte...

Fazit

AchtNacht war wirklich ein gutes Leseerlebnis! 


Vielen Dank an die Verlagsgruppe Droemer Knaur, dass ich AchtNacht als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen habe. 

Jetzt kaufen! Klappenbroschur, Knaur TB 

14.03.2017, 416 S.
ISBN: 978-3-426-52108-3